Google Ads oder SEO? Was sich für Handwerker wirklich lohnt
Google Ads oder SEO – was bringt mehr für Handwerker und kleine Betriebe? Konkrete Zahlen, ehrliche Einschätzung und wann sich was wirklich rechnet.
Irgendwann kommt die Frage auf: Soll ich Geld in Google Ads stecken oder lieber in SEO? Beides kostet Zeit oder Geld – meistens beides. Und jede Marketing-Agentur hat natürlich eine klare Meinung. Die lautet fast immer genau das, was sie gerade verkauft.
Ich versuche das hier ohne Schönfärberei: Was funktioniert wann, was kostet es, und wo verbrennt man als kleiner Betrieb schnell Geld, das man nicht hat.
Was Google Ads wirklich kostet
Das Missverständnis kennt fast jeder: "Ich starte mal mit 200 Euro im Monat und schau, was passiert."
Klingt vernünftig. Ist aber meistens Geld, das weg ist ohne greifbares Ergebnis.
Im Handwerk zahlt man pro Klick typischerweise zwischen 1 und 5 Euro. Für Notdienste oder stark umkämpfte Bereiche – Elektriker München, Sanitär Stuttgart – auch mehr. Nehmen wir einen realistischen Durchschnitt von 2,50 Euro pro Klick.
Bei 200 Euro im Monat sind das 80 Klicks. Von denen rufen vielleicht 5–8 Leute an. Nicht alle davon werden Kunden.
Mit 200 Euro kommt man im Handwerk nicht weit. Die meisten Experten empfehlen ein Mindestbudget von 1.000 Euro pro Monat, damit Google Ads überhaupt genug Daten sammeln kann, um die Kampagne sinnvoll zu optimieren. Darunter ist man zu sehr im Blindflug.
Das klingt nach viel. Für größere Betriebe, die schnell Aufträge brauchen, kann sich das trotzdem rechnen – dazu gleich mehr.
Was SEO kostet und was du dafür kriegst
SEO ist das Gegenteil von schnell. Wer jetzt anfängt, sieht frühestens in 3–6 Monaten erste messbare Ergebnisse. Echten Schub spürt man meistens erst nach 6–12 Monaten.
Das ist nervig. Das ist aber auch das Modell.
Was du dafür bekommst: Traffic, der nichts pro Klick kostet. Einmal auf Seite 1 für "Elektriker Filderstadt" oder "Maler Esslingen" – und die Anfragen kommen, ohne dass du jeden Monat eine Rechnung bezahlst.
Der langfristige ROI von SEO ist deshalb fast immer höher als der von Google Ads. Aber nur, wenn du lang genug durchhältst und es richtig machst. Wer nach 4 Monaten aufhört, weil noch nichts passiert ist, hat investiert ohne Ernte.
Ein wichtiger Punkt, der oft untergeht: Für lokale Betriebe ist das Google Business Profil manchmal relevanter als die eigene Website. Wie gut du in Google Maps rankst, wieviel Bewertungen du hast, wie aktuell dein Profil ist – das entscheidet bei vielen lokalen Suchanfragen mehr als deine Seite selbst. Lies dazu gerne unseren Beitrag zum Google Business Profil optimieren.
Lokales SEO: der unterschätzte Kanal
Noch ein blinder Fleck, den ich immer wieder sehe: Lokales SEO wird mit SEO im Allgemeinen gleichgesetzt – dabei sind das verschiedene Baustellen.
Organisches SEO – auf deiner Website gut ranken – braucht Monate. Lokales SEO, also das was in Google Maps und den lokalen Ergebnissen passiert, reagiert schneller.
Das Profil pflegen, Bewertungen aktiv sammeln, Fotos hochladen, Öffnungszeiten aktuell halten: Das sind Maßnahmen, die einem kleinen Handwerksbetrieb in kurzer Zeit spürbar mehr Anrufe bringen können. Ohne Anzeigenbudget. Mehr dazu, wie lokales SEO grundsätzlich funktioniert, gibt's im Beitrag über lokales SEO und Sichtbarkeit in deiner Stadt.
Wann Google Ads die bessere Wahl ist
Es gibt Situationen, wo Google Ads tatsächlich die schnellere und sinnvollere Option ist:
Du brauchst jetzt Aufträge. Wenn der Auftragsbuch leer ist und kein Puffer für eine 6-monatige SEO-Kampagne da ist, sind Anzeigen der direkteste Weg.
Du willst eine neue Leistung testen. Bevor du viel Zeit in SEO für "Photovoltaik Reinigung Stuttgart" investierst, kannst du mit Ads in 2 Wochen rausfinden, ob überhaupt jemand danach sucht und was die Leute dann wirklich wollen.
Saisonalität. Ein Maler, der im Frühjahr Auftragsspitzen hat, kann in dieser Zeit mit Ads gezielt mehr herausholen, ohne das ganzjährig zu finanzieren.
Wichtig dabei: Google Ads braucht Pflege. Wer eine Kampagne aufsetzt, sie dann 3 Monate ignoriert und wundert sich über Kosten, der erlebt keine Freude. Die Algorithmen laufen in Richtung "Budget ausgeben" – nicht in Richtung "ROI optimieren", wenn man sie nicht führt.
Wann SEO mehr Sinn ergibt
SEO rechnet sich besonders für Betriebe, die schon stabil laufen und nicht sofort Ergebnisse brauchen, langfristig Kosten senken wollen, lokal in einem Bereich tätig sind, wo die Konkurrenz noch nicht alles abgeräumt hat, und eine Website haben, die überhaupt als Basis taugt.
Der letzte Punkt ist nicht unwichtig. Wenn die Website selbst das Problem ist – kein klares Angebot, langsam, veraltet – dann bringt mehr Traffic erstmal nichts. Dann muss zuerst die Basis stimmen.
Kombination – aber richtig
Die meisten Empfehlungen enden mit "am besten beides". Das stimmt grundsätzlich, hilft aber wenig ohne Kontext.
Wer mit beschränktem Budget startet, sollte sich überlegen, was zuerst sinnvoll ist. Ein Ansatz, der in der Praxis funktioniert:
1. Lokales SEO und Google Business Profil in Ordnung bringen – günstig, schnelle Wirkung. 2. Website so aufbauen, dass sie aus Besuchern Anfragen macht. 3. Wenn Budget da ist: Google Ads für konkrete Kampagnen – nicht dauerhaft, sondern gezielt. 4. Parallel SEO aufbauen, damit die Ads-Abhängigkeit mit der Zeit sinkt.
Das ist kein Sprint, das ist ein Aufbau über 12–18 Monate. Klingt lang. Aber wer das durchzieht, hat am Ende einen Kanal, der ohne monatliche Werberechnung Anfragen bringt.
Was das konkret für dein Budget bedeutet
Damit es nicht abstrakt bleibt:
Nur Google Ads: Budget 1.000–1.500 Euro pro Monat ist realistisch für spürbare Ergebnisse im lokalen Handwerk. Monat für Monat. Sobald du aufhörst zu zahlen, verschwindest du.
Nur SEO: Einstieg ab ca. 500 Euro pro Monat möglich – aber du siehst erst nach 6+ Monaten was passiert. Danach sinken die Kosten bei gleichbleibendem Traffic.
Kombination: Kurzfristig höherer Einsatz, langfristig effizienter. Nach 12–18 Monaten kannst du das Ads-Budget deutlich reduzieren oder ganz weglassen, wenn SEO trägt.
Was in jedem Fall hilft: eine Website, die aus Klicks Anfragen macht. Wer 1.000 Euro in Ads investiert, aber eine Seite hat, auf der keiner erkennt was du machst – der zahlt für nichts.
Wenn du wissen willst, wie deine aktuelle Seite abschneidet, schau dir den kostenlosen Website-Check an. Kostet nix und zeigt, wo gerade Potenzial liegt.
Marius Klingl
Webentwickler aus Stuttgart. Baut schnelle, moderne Websites die Kunden bringen — keine Templates.