WordPress 2026: Wann es reicht und wann nicht
43 % aller Websites laufen auf WordPress. Ob das für dich die richtige Wahl ist, hängt von mehr ab als vom Marktanteil.
43 % aller Websites weltweit laufen auf WordPress. Das klingt wie eine sichere Wahl. Wenn so viele dabei sind, kann man ja nicht komplett falsch liegen.
Marktanteile sagen trotzdem nichts darüber aus, ob etwas gut ist. Sie sagen nur, dass etwas verbreitet ist. Internet Explorer hatte mal 95 % Marktanteil.
WordPress dominiert, aber warum?
WordPress ist seit 2003 auf dem Markt und war das erste CMS, das wirklich jeder bedienen konnte. Keine HTML-Kenntnisse, kein FTP, einfach klicken und schreiben. Das war damals ein echter Sprung. Und die Community, die sich seitdem drum herum entwickelt hat, ist riesig: Tausende Plugins, Millionen Templates, Tutorial-Videos für jedes denkbare Problem.
Das erklärt den Marktanteil. Nicht zwangsläufig technische Überlegenheit.
Die Probleme, die kaum jemand direkt anspricht
Laut aktuellen Statistiken wird eine WordPress-Seite durchschnittlich alle 22 Minuten angegriffen. Das klingt erschreckend, und das ist es auch. 92 % der gemeldeten Sicherheitslücken bei WordPress-Installationen gehen auf veraltete Plugins zurück. Die durchschnittliche WordPress-Seite läuft mit 20 bis 40 aktiven Plugins.
Das Ergebnis: Wer Plugins nicht regelmäßig aktualisiert, hat irgendwann ein Problem. Nicht vielleicht, sondern wann.
Dazu kommt die Ladezeit. Ohne aktive Optimierung brauchen viele WordPress-Seiten 3 bis 5 Sekunden für den ersten Aufruf. Google misst das genau und wertet langsame Seiten beim Ranking ab. Jeder dritte Besucher verlässt eine Seite, wenn sie länger als 3 Sekunden lädt. Für eine Unternehmensseite, die über Google-Suche gefunden werden will, ist das ein direkter Einfluss auf Anfragen.
Was moderne Webentwicklung heute bedeutet
Wenn ich heute eine Website baue, setze ich auf Next.js in Kombination mit Sanity als CMS. Für den Kunden ändert sich am Arbeitsalltag wenig: Content pflegen läuft im Browser, ohne Code, ähnlich wie bei WordPress.
Was sich ändert, ist wie die Website ausgeliefert wird. Eine Next.js-Seite lädt typischerweise unter einer Sekunde. Nicht weil der Entwickler besonders clever ist, sondern weil die Architektur anders arbeitet. Statt bei jedem Besuch eine Datenbank abzufragen und PHP auszuführen, werden Seiten beim Deployment vorgebaut und über ein globales CDN weltweit verteilt. Der Besucher bekommt eine fertige Seite, kein 'bitte warte, während der Server rechnet'.
Der praktische Unterschied: Seiten, die ich mit diesem Stack gebaut habe, landen in Google PageSpeed Insights regelmäßig über 95 Punkte. WordPress-Seiten ohne professionelle Optimierung oft bei 30 bis 60.
Wann WordPress tatsächlich die richtige Wahl ist
Ich sage das selten, aber ich sage es trotzdem: Manchmal ist WordPress die bessere Wahl.
Wenn du seit Jahren WooCommerce betreibst und ein ganzes System drum herum aufgebaut hast, ist ein Wechsel teuer und das Risiko real. Wenn dein Team seit Jahren mit WordPress arbeitet und keine Entwickler-Unterstützung hat, schlägt Kontinuität oft die technische Idealität. Wenn das Budget sehr eng ist und du primär eine digitale Visitenkarte brauchst, kann ein gutes WordPress-Theme funktionieren.
Der Fehler ist nicht, WordPress zu nutzen. Der Fehler ist, es als selbstverständlichen Default zu wählen, ohne die Alternativen zu kennen.
Was du dir vor der nächsten Website-Entscheidung fragen solltest
Bevor du dein nächstes Webprojekt startest oder einen Relaunch planst, lohnen sich ein paar ehrliche Fragen.
Wie wichtig ist Ladezeit für mein Geschäft?
Für lokale Dienstleister, die über Google-Suche gefunden werden wollen: sehr wichtig, direkt messbar in Anfragen.
Habe ich jemanden, der Plugins dauerhaft aktuell hält?
Nicht als einmaliges Setup nach dem Launch, sondern Monat für Monat. Sicherheitsupdates kommen nicht einmal jährlich, sondern laufend.
Wie oft ändert sich mein Content wirklich?
Die meisten KMU ändern ihre Website seltener als einmal pro Monat. Für diesen Fall braucht es keine 40-Plugin-Installation.
Die Antworten auf diese Fragen sagen mehr über die richtige Technologie aus als jede Diskussion über Marktanteile.
Sicherheit: Das unterschätzte Thema
Ein gehacktes Impressum, Spam-Links in deinen Seiten oder ein komplett gelöschter Datenbankinhalt. Das sind keine Horrorgeschichten aus dem Darknet, das sind reale Szenarien für schlecht gewartete WordPress-Seiten.
Headless-Architekturen wie Next.js haben hier strukturell weniger Angriffsfläche. Es gibt keine Admin-Oberfläche, die öffentlich erreichbar wäre. Es gibt keine Datenbank, die direkt aus dem Internet angesprochen werden könnte. Das macht sie nicht unverwundbar, aber wesentlich schwieriger zu kompromittieren.
Was das für dich bedeutet
WordPress ist kein schlechtes System. Es ist ein altes System, für das inzwischen in vielen Fällen bessere Alternativen existieren. Schneller, sicherer, weniger Wartungsaufwand.
Wenn du weißt, was du tust, und ein sauberes Setup hast, kann WordPress funktionieren. Wenn du 2026 eine neue Website planst und nicht sicher bist, welche Technologie zu dir passt, lohnt sich das Gespräch darüber.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob deine aktuelle Seite technisch noch auf dem Stand ist, schau beim kostenlosen Website-Check vorbei, dauert drei Minuten. Oder meld dich direkt über das Kontaktformular, wenn du konkrete Fragen zu deinem Projekt hast.
Marius Klingl
Webentwickler aus Stuttgart. Baut schnelle, moderne Websites die Kunden bringen — keine Templates.